Dortmund - Wo Logistik neu gedacht wird

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Das neue ZLI – Zentrum für Logistik und IT auf dem Wissenschafts- und Technologiecampus Dortmund schafft moderne Flächen für Unternehmen und Start-ups aus Logistik und IT.
Das neue ZLI – Zentrum für Logistik und IT auf dem Wissenschafts- und Technologiecampus Dortmund schafft moderne Flächen für Unternehmen und Start-ups aus Logistik und IT. 3dpixel company

Wer über die Zukunft der Logistik spricht, kommt an Dortmund kaum vorbei. Die Stadt im Herzen Nordrhein-Westfalens zählt heute zu den wichtigsten Logistikstandorten Deutschlands – nicht allein wegen ihrer zentralen Lage oder ihrer leistungsfähigen Infrastruktur, sondern vor allem wegen ihrer außergewöhnlichen Innovationskraft. Dortmund verbindet Forschung, Wirtschaft und Unternehmertum zu einem eng vernetzten Ökosystem, das neue Technologien schneller als vielerorts in marktfähige Anwendungen überführt. Die Voraussetzungen dafür sind hervorragend: Sechs Autobahnen, der Dortmunder Flughafen, Europas größter Kanalhafen mit Containerterminal sowie ein zentraler Bahnknotenpunkt machen die Stadt zu einem der bedeutendsten Verkehrsdrehkreuze Deutschlands. Rund 1000 Unternehmen mit etwa 30 000 Beschäftigten bilden hier ein starkes und dynamisches Logistikcluster.


Forschung mit direktem Praxistransfer
Doch Dortmunds eigentliche Stärke liegt tiefer. Bereits seit den 1970er-Jahren gehört die Stadt zu den führenden Zentren der Logistikforschung in Europa. Mit dem Studiengang Logistik an der Technischen Universität Dortmund wurden früh Maßstäbe in der akademischen Ausbildung gesetzt. Dieses Zusammenspiel aus Wissenschaft und Anwendung prägt den Standort bis heute. 

Im Zentrum dieser Entwicklung steht das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML. Seit seiner Gründung im Jahr 1981 gilt das Institut als eine der ersten Adressen für ganzheitliche Logistikforschung in Europa. Rund 450 Mitarbeitende entwickeln hier gemeinsam mit Unternehmen praxisnahe Lösungen für die Logistik von morgen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um effiziente Warenströme, sondern um zentrale Zukunftsfragen der Branche: Künstliche Intelligenz, smarte Robotik, resiliente Lieferketten, nachhaltige Verkehrslogistik oder digitale Geschäftsmodelle.

Die besondere Stärke des Fraunhofer IML liegt im konsequenten Transfer von Forschung in die Praxis. Innovationen werden nicht isoliert im Labor entwickelt, sondern gemeinsam mit Unternehmen erprobt und weitergedacht. Unterstützt wird das Institut dabei durch das Netzwerk der Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren 76 Einrichtungen und rund 32 000 Mitarbeitenden. Zudem bündelt die Fraunhofer-Allianz Verkehr in Dortmund die Kompetenzen von 23 Instituten und schafft so eine europaweit einzigartige Forschungsdichte.

Wie erfolgreich dieser Transfer funktioniert, zeigt das Leistungszentrum Logistik und IT. Seit mittlerweile zehn Jahren arbeiten dort das Fraunhofer IML und das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST eng zusammen. Ziel ist es, digitale Technologien schneller in konkrete Anwendungen zu überführen. Unternehmen erhalten damit direkten Zugang zu neuesten Entwicklungen in Datenökonomie, Automatisierung und digitaler Supply-Chain-Steuerung.


Wo Innovationen marktreif werden
Ein weiterer Motor der Innovationsdynamik ist der Digital Hub Logistics Dortmund. Hier treffen etablierte Unternehmen auf Startups, Forschungseinrichtungen und digitale Talente. Der Hub stärkt die Digitalisierung der Logistikbranche im Ruhrgebiet und schafft ein Umfeld, in dem neue Ideen unmittelbar getestet und skaliert werden können. Besonders sichtbar wird das in der sogenannten Start-in-Factory. Unternehmen entwickeln dort digitale Innovationen direkt im realen Betriebsumfeld. Neue Anwendungen können früh getestet, angepasst und marktfähig gemacht werden. Dieser praxisnahe Ansatz beschleunigt die digitale Transformation und reduziert gleichzeitig die Hürden für mittelständische Unternehmen.

Auch der e-port im Digitalhafen Dortmund zeigt, wie intensiv in der Stadt an der Verbindung von Logistik und Informationstechnologie gearbeitet wird. Als Kompetenzzentrum für digitale Geschäftsmodelle bringt der e-port Gründerinnen und Gründer, Start-ups sowie etablierte Unternehmen zusammen. Im Fokus stehen Kooperation, Wissensaustausch und anwendungsnahe Entwicklung. Die räumliche Nähe fördert dabei genau jene Innovationskultur, die für erfolgreiche Technologieentwicklung entscheidend ist.

Getragen wird dieses Ökosystem vom TechnologieZentrumDortmund, einem der führenden Technologie-Hubs Europas. Seit seiner Gründung 1985 sind dort bereits 438 Unternehmen mit mehr als 21 000 Beschäftigten gewachsen. Branchenspezifische Kompetenzzentren schaffen ideale Bedingungen für junge Unternehmen und technologieorientierte Geschäftsmodelle. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das neue Zentrum für Logistik und IT, kurz ZLI. Auf rund 8600 Quadratmetern entstehen moderne Büro- und Entwicklungsflächen für Unternehmen aus Logistik und IT. Die direkte Nachbarschaft zum Fraunhofer IML, zur Technischen Universität Dortmund und zum LogistikCampus schafft ideale Voraussetzungen für Kooperationen zwischen Forschung und Wirtschaft. 

Wie erfolgreich dieses Umfeld Innovationen hervorbringt, zeigen Dortmunder Start-ups eindrucksvoll. Die „Logistikbude“ (jetzt Loopario) etwa entstand aus einer Idee am Fraunhofer IML und entwickelt heute digitale Lösungen für das Management von Ladungsträgern in globalen Lieferketten. Das Unternehmen koordiniert inzwischen Millionen von Ladungsträger-Bewegungen und entwickelt sich zu einem neuen Branchenstandard. Auch MotionMiners steht beispielhaft für den gelungenen Technologietransfer am Standort Dortmund. Das Unternehmen analysiert mithilfe moderner Sensortechnologie und datenbasierter Verfahren manuelle Arbeitsprozesse in Produktion und Logistik. Ziel ist es, Produktivität und Ergonomie gleichzeitig zu verbessern und versteckte Optimierungspotenziale sichtbar zu machen. Gerade diese Verbindung aus wissenschaftlicher Exzellenz, technologischer Offenheit und unternehmerischer Praxis macht Dortmund heute zu einem Vorreiter der Logistikbranche. Während Lieferketten weltweit komplexer, digitaler und nachhaltiger werden müssen, entstehen hier Lösungen, die weit über die Region hinaus Wirkung entfalten. 

Hinweis: Dieser Artikel erschien in der Juni Ausgabe des Magazins DER SPIEGEL "Starkes Land Nordrhein-Westfalen".

Autor*in
Marion Haake