Der Baumarkteinrichter - Geld für einen guten Typen

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Entronauten - Jürgen Drees, Entronauten - Jürgen Drees
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Entronauten - Jürgen Drees, Entronauten - Jürgen Drees

Nur wenige tausend Euro trennten Jürgen Drees damals von einem erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit. Bankkredit? Fehlanzeige! Über die NordHand e.G. bekam er schließlich 2018 einen Mikrokredit. Weil seine Geschäftsidee überzeugte. Seitdem geht es mit dem Baumarkteinrichter stetig bergauf.

Ohne ihn wäre Jürgen Drees ziemlich aufgeschmissen: seinen Kombi, einen silbernen Golf Variant. Der zuverlässige Diesel, Baujahr 2015, mit Abgasnorm Euro 6 ist für den Baumarkteinrichter aus Dortmund die Basis seiner Selbstständigkeit. Mit ihm fährt er zu den Baumärkten, in denen er Regalsysteme für namhafte Hersteller einrichtet. Sein Einsatzradius: Märkte im Umkreis von 120 Kilometern. 10.000 Euro hat der Wagen gekostet, finanziert mit einem Mikrokredit der Grenke Bank, vermittelt über die NordHand e.G. „Für einen herkömmlichen Bankkredit fehlten mir die Sicherheiten“, sagt der 53-Jährige. Jörg Beier, Vorstand der NordHand, unterstützte ihn bei der Antragstellung und beim Businessplan. Schnell und unbürokratisch. „Ohne diese finanzielle Hilfe hätte ich mir den Golf nicht leisten können“, sagt  Jürgen Drees. Sein alter Wagen hatte den Geist aufgegeben. In dem Kombi verstaut der gelernte Bauschlosser sein Werkzeug, Stichsäge, Flex, Arbeitskleidung und sammelt die Kollegen ein, die mit ihm zusammenarbeiten.

Aufträge von großen Agenturen

Seit etwas über einem Jahr ist Jürgen Drees nun schon Baumarkteinrichter. „Ein Riesenmarkt, den ich zuvor gar nicht kannte.“ Seine Aufträge bekommt er von großen Agenturen aus Rostock, Wuppertal oder Landau. Sie organisieren für Baumarktketten das Einrichten der Regalsysteme und planen die Präsentation von Farben, Werkzeugen und Co. – für Bosch, Makita, Inter-Union und andere Hersteller oder Großhändler. Sie liefern auch die Regalböden, Haken, Trennwände oder Schütten in die Baumärkte, die Firmen ihre Ware. Kleinstunternehmer wie Drees richten dann die Regalwände ein und platzieren die Ware, so wie es die Pläne der Agenturen vorsehen. „Naiv wie ich war, habe ich immer geglaubt, die Baumarkt-Mitarbeiter machen das alles selbst“, sagt er mit einem Lächeln. Gut für ihn, dass sie es nicht tun.

In seinem ersten Jahr buchte ihn eine Agentur gleich für den Umbau von 15 Hellweg-Märkten. „Das war ein toller Einstieg, dabei habe ich viel gelernt“, sagt er. Denn das Einrichten ist Millimeterarbeit, keine Verpackung darf die andere überlappen. Alles muss am Ende ordentlich, korrekt etikettiert und gut sichtbar in Reih und Glied hängen.

Mal allein, mal im Team

Mitte Februar arbeitete Drees mit einem Team von drei Kollegen für den Hellweg-Baumarkt in Dorsten-Hervest. In 20 Manntagen sollten die vier für die Firma Inter-Union 24 Segmente von 1,33 Meter aufbauen und die Ware einräumen und mit Leitkarten versehen. Inter-Union ist ein Techno-Großhandel für Autopflegeprodukte, Fahrradzubehör, Werkzeuge oder Elektroinstallationsmaterial. „Je nach Umfang eines Auftrags arbeite ich allein oder suche mir ein Team“, sagt er. Die Freelancer in der Branche kennen sich. 15 Aufträge benötigt Drees im Monat, um über die Runden zu kommen. Mit einem Team kann er mehr Aufträge in kürzerer Zeit erledigen.

Einer, mit dem andere gerne arbeiten

Locker und kollegial sei er, meint Katja Kuhlmann. Die Maschinenbau-Studentin gehört diesmal zu Drees Team und finanziert als Freelancerin ihr Studium. Schließlich war der Dortmunder schon mal Chef. Mehr als zehn Jahre hatte er ein eigenes Fuhrunternehmen mit bis zu sieben Angestellten. Für acht Saturn-Filialen lieferten er und seine Servicefahrer Elektrogeräte und weiße Ware an Endkunden aus. „Doch dann hat uns ein Wettbewerber unterboten.“ Die Folge: Insolvenz. Drees fiel in ein tiefes Loch, beruflich und privat. Doch nicht lange. „Ich hatte gleich neue Ideen“, sagt er. Etwa die einer Autoverwertung. Gemeinsam mit Jörg Beier von der NordHand erstellte er einen ersten Businessplan. Doch dann rutschten die Schrottpreise in den Keller. Aus der Traum! Durch eine Bekannte lernte Drees dann die Community der Baumarkteinrichter kennen. Und war sofort Feuer und Flamme. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal einen Job finden würde, der mir so viel Spaß und Erfolg bringt.“ Schon bald will er jemanden fest einstellen.

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